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Mittwoch, 22.11.2017


20:00

MUFFINS FOR GRANNY

von Nadia McLaren

Dokumentarfilm, Kanada, eOF, 1:28, 2006

Moderation: Stefanie Land-Hilbert


Kanada gilt vielen in Europa als „besseres Amerika“, das sich im Kontrast zu den Vereinigten Staaten ein Image als weltoffene, multikulturelle Peacekeeping-Nation erarbeitet hat, welches auch durch den amtierenden Premier Justin Trudeau weiter gepflegt wird. Ähnlich wie die USA hat aber auch Kanada eine koloniale Vergangenheit und – in den Augen kanadischer Indigener sowie Forscherinnen und Forschern u.a. auf dem Gebiet der Indigenous Studies – auch eine koloniale Gegenwart.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte Kanada in Bezug auf die vielfältigen indigenen Gruppen des Landes eine Assimilierungspolitik, die sich in der Beschulung indigene Kinder in sogenannten Indian Residential Schools kristallisierte. Geführt von christlichen Glaubensgemeinschaften und finanziellen unterstützt durch den kanadischen Staat war das erklärte Ziel eine Anpassung Indigener an die kanadische Mehrheitsgesellschaft unter Auslöschung einer eigenständigen kulturellen Identität der Indigenen: „Our objective is to continue until there is not a single Indian in Canada that has not been absorbed into the body politic and there is no Indian question, and no Indian Department," erklärte 1920 der Leiter des Department of Indian Affairs, Duncan Campbell Scott. Das Regime der Indian Residential Schools trennte – zumindest temporär – indigene Kinder und Jugendliche von ihren Familien. Im typischerweise streng getakteten Tagesablauf der Schulen lag ein besonderer Fokus auf Regelkonformität, praktischer Arbeit und religiöser Unterweisung. Die Einrichtungen waren häufig unterfinanziert, das Personal knapp oder nicht angemessen geschult. Seelischer und körperlicher Missbrauch waren weit verbreitet. Die letzte kanadische Indian Residential School schloss im Jahr 1996.

Mit dem Indian Residential-School-Trauma befasst sich auf sehr persönliche Weise die indigene Regisseurin Naida McLaren (Anishnabe Kwe) in ihrem Dokumentarfilm „Muffins for Granny". Am Beispiel ihrer Großmutter zeigt sie auf, welch tiefe Spuren deren Schul-Vergangenheit in ihrer eigenen Biographie wie auch in der Familiengeschichte insgesamt hinterlassen hat. McLaren verknüpft dabei auf künstlerisch eindrucksvolle Weise Fragmente aus Familienvideos mit Interviews Residential School-Überlebender sowie Graphic-Novel-Elementen - und dadurch ihre persönliche Geschichte mit gesellschaftlichen Fragen zum Umgang mit Trauma, Schuld und Versöhnungsbestrebungen. Der Film wurde vielfach u.a. in der kanadischen Lehrerbildung eingesetzt. Als Moderatorin begleitet Stefanie Land-Hilbert (Kanadistik, Universität Potsdam) die Filmvorführung.


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Donnerstag, 23.11.2017


18:00

SAMIN VS. SEMEN

von Dandhy Dwi Laksono

Dokumentarfilm, Indonesien, 0:40, OmdU, 2015

Moderation: Anett Keller


Der Dokumentarfilm SAMIN vs. SEMEN informiert über aktuelle Pläne, ein Karstgebiet in Zentraljava in Indonesien auszubeuten und für Zementproduktion zu verarbeiten. Von der lokalen Bevölkerung, die ihren Lebensunterhalt vor allem durch Landwirtschaft bestreitet, gibt es massiven Widerstand. Die große Sorge der Menschen ist es, dass der Abbau des Gebirges einen enormen Einfluss auf den Wasserkreislauf in der Region haben wird. Die Wasser-Rückhaltekapazitäten des Karsts würden zerstört und Quellen versiegen. Der lokale Widerstand ist kreativ, ausdauernd und entschlossen. Maßgeblich geprägt wird dieser gewaltfreie Widerstand von einer anarchistisch lebenden indigenen Ökogemeinschaft, den Samin.

Zementproduktion ist ein enorm energieintensives Verfahren und sorgt für sechs bis neun Prozent der globalen CO2- Emissionen - vier mal so viel wie der gesamte internationale Flugverkehr. Neben indonesischen Zementfirmen will in dem betroffenen Gebiet ein Tochterunternehmen des baden-württembergischen Konzerns HeidelbergCement eine Zementfabrik bauen. Der Konzern verzeichnet steigende Gewinne und verlautbarte vor der Aktionärsversammlung im Mai auf seiner website: „Unsere strategischen Prioritäten `Wertschaffung für Aktionäre` und `kontinuierliches Wachstum` spiegeln sich in unseren Zahlen und in dem deutlich erhöhten Dividendenvorschlag wider.“ „Wertschaffung für Aktionäre“ und „kontinuierliches Wachstum“ – doch auf wessen Kosten?


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Freitag, 24.11.2017


20:00

TANGO NEGRO: THE AFRICAN ROOTS OF TANGO 

von Dom Pedro

Dokumentarfilm, Angola, 1:33, OmeU, 2013

Moderation: Enoka Ayemba


"Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann", so beschrieb der argentinische Komponist Enrique Santos Discépolo das, was in Argentinien noch immer als Nationalmusik gilt. Auch in Deutschland, wo der Tango seit Jahrzehnten sehr beliebt ist, sind seine Wurzeln kaum bekannt. Hellmuth Karasek schrieb sogar noch 1982 im Spiegel, dass der argentinische Tango, „originärstes Kulturprodukt der europäischsten unter den lateinamerikanischen Nationen“ sei. So ist auch diesem Autor entgangen, dass der Tango afrikanische Wurzeln hat.

Der angolanische Filmemacher Dom Pedro hat sich in Argentinien und Uruguay auf die Suche nach den Spuren dieser vergessenen Geschichte gemacht und ist dabei in einer Verbindung von musikalischen Aufführungen und Gesprächen mit Zeitzeugen, Historikern, Musikwissenschaftlern, Tango-Aficionados, Aktivisten und vor allem mit dem im April 2015 verstorbenen Pianisten Juan Carlos Cáceres auf erstaunliche Fakten gestoßen. Den Tango verdanken wir nach Argentinien und Uruguay deportierten Sklaven (die meisten von ihnen aus dem ehemaligen Königreich Kongo). Die Musik war Ausdruck ihrer Leidensgeschichte und ihres Lebensgefühls.

Zur Thematik des Films ist vorbereitend der Workshop „Die Farben des Tango“ von Liliana Bordet um 18 Uhr sehr zu empfehlen.


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22:00

THE BLUES. FEEL LIKE GOING HOME

von Martin Scorsese

Dokumentarfilm, Deutschland/USA, 1:50, OmdU, 2003

Moderation: Enoka Ayemba


Auf der Suche nach den afrikanischen Wurzeln des Blues begibt sich Regisseur Martin Scorsese, gemeinsam mit dem jungen Bluesgitarristen Corey Harris, auf eine geographische und historische Reise. Bei diesem Ausflug vom Mississippi-Delta über den Atlantik bis nach Afrika offenbart sich der Blues als lebendige und vielschichtige Ausdrucksform der afroamerikanischen Bevölkerung. Für das Archive of Folk Culture Collections in der Library of Congress sammelten die selbst ernannten "Ballad Hunters" John A. Lomax und sein Sohn Alan in der USA tausende Blues-Stücke. Feel Like Going Home schafft eine lyrische Verbindung aus spontanen Sessions und diesen seltenen Archivaufnahmen.

Martin Scorsese, so sagte er selbst, habe „immer schon eine Affinität zur Bluesmusik empfunden. Diese besondere Kultur, Geschichten durch Musik zu erzählen, ist für mich unglaublich ansprechend und faszinierend. Blues erzeugt große emotionale Resonanz, er ist das große Fundament der amerikanischen Populärmusik. “

„Die Wurzeln eines Baums werfen keine Schatten.“ Dieses afrikanische Sprichwort benutzt Scorsese zu Beginn per Voice-Over, um zu illustrieren, wie ursprünglich der Blues ist. Die Musik sei so tief in den Leben ihrer Urheber verwurzelt, dass sie, so Scorsese weiter, das Einzige gewesen sei, das man den schwarzen Menschen niemals hätten nehmen können.

Als ein Teil des Blues Projektes, mit dem sieben namhafte Regisseure eine großartige Hommage an eine weltbewegende Musik schafften, wollte Martin Scorsese mit Feel Like Going Home jener Musik, die er so liebt, ihr Vermächtnis bewahren.

„It’s like a light in the darkness that never goes out.“ —Martin Scorsese —


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Eintritt je Film/block:

3,00 Euro

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